Weingut Mohr

Weingut Mohr in Lorch am Rhein


Tagebuch

10.01.2008

Dezember 2007 Eisweinlese - Ende gut - alles gut

Auch der Dezember ist voll mit Terminen. Zu Beginn des Monats müssen wir viele Päckchen für eine Firma packen und zu Nikolaus versenden. Außerdem fahre ich zum Weinliefern nach Bochum, Gelsenkirchen und Kassel. Am ersten Wochenende habe ich eine Probe mit langjährigen Kunden im Weingut. In der 2. Woche fahre ich nach Frankfurt und Dortmund.

Die Woche darauf nach Münster.
Dann steht eigentlich die Tour nach Siegen noch für den 21. Dezember an.
Doch im Laufe der Woche wird es immer kälter und die Gedanken an die Eisweinlese werden immer konkreter. Jede Nacht wird ein halbes Grad kälter. Am Mittwoch haben wir morgens um 6 Uhr minus 6 Grad Celsius. Die Trauben sind aber noch nicht richtig durchgefroren. Gegen 7 Uhr - der Frost hat eine Stunde länger auf die Beeren einwirken können - sind zumindest die (noch) gesunden Beeren gefroren. Erst zum Wochenende soll es wieder wärmer werden. Daher fasse ich den Entschluß noch eine Nacht zu warten. Im Rheingau haben einige Kollegen in den letzten Nächten bereits bei minus 8 Grad Celsius gelesen. Lorch ist eben noch ein bißchen wärmer als der restliche Rheingau! Für den Freitag wird es schwierig genügend Weinleser zu bekommen weil zwei durch Arbeit und andere Termine verhindert sind.
Wir warten also was das Thermometer macht. Hoffentlich zieht in der Nacht kein Nebel ins Rheintal.
Es ist endlich so weit. Wir starten mit 5 fleißigen Helfern bei minus 6 Grad morgens um 7 Uhr los zum Weinberg. Eine Hochnebeldecke hat sich über das Rheintal gelegt. Die Trauben sind ähnlich knapp gefroren wie am Donnerstag, die Nacht ist leider nicht kälter als gehofft. Aber es macht keinen Sinn zu warten, denn die nächste Nacht soll wieder wärmer werden. Um 10 Uhr haben wir es geschafft. Mit vollen Lesekäsen fahren wir ins Weingut. Die Kelter wird hervorgezogen und soll in Betrieb gesetzt werden. Doch oh Schreck - die Vakuumpumpe funktionniert nicht. Nach 30 Minuten Fehlersuche finde ich heraus dass 1 Stromphase fehlt. Nachdem ich die Sicherung wieder hineingedrücht habe läuft alles wie am Schnürchen. Wir füllen die Presse und geben Druck drauf. Der erste Saft tritt nach bangen Sekunden aus...! Jetzt schnell das Mostgewicht prüfen - es entscheidet darüber, ob sich die Mühe gelohnt hat. 125 Grad Oechsel müssen es mindestens sein. Das Refraktormeter zeigt 145 Grad - das reicht aus!!!
Selbst nach Abzug von Temperatur und Trübungsgrad haben wir dann ein endgültiges Mostgewicht von 130 Grad Oechsle. Es ist ein kleiner Eiswein - aber es ist einer!
Noch am selben Tag wärme ich den Most auf 15 Grad Celsius an. Am nächsten Tag ziehe ich den klaren Teil vom Depot ab und setzte Hefe zu den 230 Litern Saft.
Am Samstag Abend feiern wir mit der Nachbarschaft Sonnenwende mit selbstgemachtem Glühwein und einem Sonnenwendfeuer. Unsere Kinder sind begeistert, denn es gibt Kinderpunsch und frische Reibekuchen dazu.
Am Sonntag heißt es Kofferpacken, denn am Montag, den 24.12. gehts zum Skifahren nach Tirol. Dort haben fast jede Nacht minus 10 Grad und einmal sogar minus 18 Grad - aber eben keine Trauben zum Eisweinlesen...!

« zurück zur Übersicht

nach oben