Freistaat FlaschenhalsWas sich heute wie ein launiger Scherz anhören mag, war nach dem 1. Weltkrieg der kurioseste Kleinstaat Deutschlands. Vom 10. Januar 1919 bis zur Besetzung durch französische Truppen am 25. Februar 1923 bestand der Freistaat Flaschenhals.Die westlich des Rheins gelegenen Provinzen Deutschlands waren von den alliierten Armeen besetzt. Um auch östlich militärisch präsent zu sein, wurden von den Siegermächten bei Köln, Koblenz und Mainz halbkreisförmige Brückenköpfe eingerichtet. Bei der Bildung der rechtsrheinischen Gebiete von Mainz (französisch) und Koblenz (amerikanisch) berührten sich die zwei halbkreisförmingen Brückenköpfe im Taunus, während zum Rhein hin ein flaschenhalsförmiger Landstreifen unbesetzt blieb, der am Rhein von Kaub bis Lorch reichte. Von der Form seiner Grenzen leitete sich der Name des für 4 Jahre vom übrigen Deutschland (Weimarer Republik) abgeschnittenen Region ab: Freistaat Flaschenhals. Die Bewohner nutzten die Gunst der Stunde und entzogen sich weitgehend der Kontrolle der Kreisstadt Limburg, die das Gebiet mitverwalten sollte. So unterließen sie die pflichtgemäße Ablieferung ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse und führten Schwarzschlachtungen durch, so daß in keiner preußischen Gemeinde in der letzten Zeit die Lebensmittelversorgung so gut war wie im Freistaat Flaschenhals.
Die
Verwaltung des Freistaats wurde vom Lorcher Bürgermeister Pnischeck organisiert,
der auch das Freistaatgeld einführte. Heute ist bei Sammlern
das Flaschenhalsgeld eine begehrte Rarität. Die Sprüche auf den kleinen Notgeldscheinen
spiegeln die Stimmung der damaligen Freistaat-Bewohner wider. Die Versorgung
der 8000 Einwohner war äußerst schwierig. Straßenverbindungen ins unbesetzte
Deutschland fehlten, so daß der gesamte Waren- und Postverkehr nur auf Schmuggelpfaden
möglich war. Die Eisenbahnbenutzung kam völlig zum Erliegen, weil kein Zug
im Freistaat halten durfte. Eine rühmliche Ausnahme machte ein Güterzug mit
französischer Beutekohle aus dem Ruhrgebiet, der im Rüdesheimer Bahnhof abgestellt
war. Dieser Zug wurde von einem beherzten freistaatlichen Lokführer gekapert
und in den Flaschenhals zurückdirigiert, wo das willkommene Heizmaterial unter
der Bevölkerung verteilt wurde.
Bei Nacht und Nebel über den Rhein blühte der Schmuggelverkehr, der allerdings von den Franzosen vom linken Rheinufer aus mit starken Scheinwerfern überwacht und gestört wurde. Mutige Freistaatbuben sahen sich daher veranlaßt, am Lorcher Ufer die Hosen herunterzuziehen, um sich kostenlos beim Franzmann das Hinterteil "bestrahlen" zu lassen.
Am 25. Februar 1923 wurde der Freistaat entgegen den Vereinbarungen von Versailles von französischen Truppen besetzt, die am 16. November 1924 wieder abzogen und den Freistaat freigeben mußten.
Seine damalige Berühmtheit erlangte der Freistaat auch durch die Einlagerung von Wein aus dem besetzten Rheingau, der mit waghalsigen Schmuggelunternehmen in den sicheren Freistaat transportiert wurde, um ihn vor dem Zugriff durch die Alliierten zu bewahren. Die Qualität der Weine aus dem ehemaligen "Freistaat Flaschenhals" ist heute wie in alter Zeit gleich anspruchsvoll geblieben.

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So werden Sie Staatsbürger im Freistaat-Flaschenhals
Ihren persönlichen Pass können Sie durch einen formlosen Antrag,
verbunden mit einem Passbild, die Angabe Ihrer Adresse, Ihres Geburtsdatums,
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